Kritzendorf: Wie eine Bürgergruppe ihre Anliegen durchsetzt

Teresa Arrieta PorträtVon Teresa Arrieta

Am 9.November kam Bürgermeister Schmuckenschlager nach Kritzendorf, um dem Volke sein Ohr zu leihen. Dieser Veranstaltung waren intensive Vorbereitungen durch die Bürgergruppe „Kernzone Kritzendorf“ vorhergegangen, die ihre Anliegen an jenem Abend in der Pizzeria vorbrachte. Handouts wurden verteilt. Im Kern ging es um Verbesserungen anlässlich des Baus von über 30 Wohnungen im Bereich des ehemaligen Tabery neben dem Amtshaus. Seit Monaten gab es Bürgerproteste, eine Gruppe von Anrainern hatte sich zusammengeschlossen, in der Mailingroup befinden sich rund 50 Leute. Kern des Anliegens ist nicht  die Verhinderung des unbeliebten Bauvorhabens, das sowieso nicht zu stoppen ist. Was die BürgerInnen jedoch anstreben: die Baustellenzufahrt und die geplante Tiefgarage sollen nicht über enge Gässchen durch das Wohnviertel geführt werden, sondern gleich neben der Hauptstraße über das Einfahrtstor des „Tabery“ führen. Und die Mülldeponie soll überdacht und an einem verträglicheren Platz als bislang vorgesehen aufgestellt werden.

Ein Etappensieg

Dafür hat Anrainer Heinz Ressl ein Handout vorbereitet, später trägt er sein Anliegen vor dem Bürgermeister, der Ortsvorsteherin und den versammelten KritzendorferInnen vor. Und tatsächlich erhält er die Zusage, man werde sich dieser Anliegen annehmen: Die Stadtgemeinde  wird sich mit dem Bauwerber in Verbindung setzen und ihm mitteilen, dass die nach wie vor einspruchsberechtigten Anrainer ihre Einsprüche fallen lassen könnten, wenn:
1) Die Baustelle NICHT über die Gassen abgewickelt und die Tiefgarageneinfahrt weiter vorne geplant wird.
2) Die Müll NICHT am Ende der Bremengasse gelagert wird, sondern in einem Müllraum am anderen Ende des Projektes. Die Bürgerinitiative erhält die Zusage, dass weitere Verhandlungen mit dem Bauträger von der Stadtgemeinde aktiv unterstützt werden und dass die Stadtgemeinde dieser Möglichkeit den Weg ebnen wird (das betrifft die Ortsbildschutz Zone).

Heinz Ressl spricht bei "Bürgermeister im Ort" in Kritzendorf

Heinz Ressl spricht bei "Bürgermeister im Ort" in Kritzendorf

Verkehrs-Hotspots in Kritzendorf nehmen zu

Wir lernen daraus, dass eine gut organisierte Bürgergruppe sehr wohl einiges erreichen kann. Allerdings muss gesagt werden, dass die Forderungen für den Bauträger zwar zu Mehrkosten führen, aber vergleichsweise bescheiden sind. Andere Bürgerinitiativen hingegen zielen meist auf die völlige Verhinderung eines Baus ab – das war hier nicht der Fall. Weiter lernen wir daraus, dass es dringend Lösungen für die Hotspots des Verkehrs in Klosterneuburg braucht: In Kritzendorf gibt es bereits jetzt ein Parkplatzproblem rund um das Amtshaus, und bei der Enge stockt der Verkehrsfluss zu den Stoßzeiten. Durch die neuen Wohnungen wird dieses Problem weiter verschärft. Lösungen, die sich anbieten: Mehr Umstieg auf den Zug, weniger autofahren. Da sich der Tabery in der Mitte zwischen zwei Zugstationen befindet, werden viele Menschen aber aufs Auto nicht verzichten wollen. Eine weitere Lösung könnte die Mehrfachnutzung von derzeit vermieteten Parkplätzen hinterm Amtshaus sein.

Parkplätze mit Mehrfachnutzung

Tatsächlich ist es unverständlich, dass die Gemeinde gerade dort, wo Parkplatznot herrscht, diese an Private vermietet, anstatt sie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Einnahmen für die Gemeinde sind gering. Nun soll für den Bereich hinterm Amtshaus eine Mehrfachnutzung geprüft geprüft werden. Bislang hatten dafür weder die Ortsvorsteherin noch der Bürgermeister ein offenes Ohr. Nun, vor versammelter BürgerInnenschaft, sah die Sache auf einmal anders aus. Ein Möglichkeit wäre, dass die Parkplätze für die Nachtstunden gemietet werden könnten, tagsüber aber der Parkplatz für alle zur Verfügung steht. Zur Zeit ist der Parkplatz tagsüber leer.

Pavillon im Strombad verfällt

Weitere Themen jenes Abends: Umleitungen bei Baustellen, die in den letzten Monaten unkoordiniert verliefen, sollen in Zukunft besser geplant werden; der Radweg Richtung Klosterneuburg soll besser beleuchtet werden. Und die Sanierung des Musikpavillons im  Strombad, für die sich eine Bürgergruppe einsetzt und sogar selbst durchführen wollte, wird nun womöglich von der Stadtgemeinde durchgeführt, aber das ist noch offen. Die Konklusio jenes Abends: BürgerInnen, die ihre Anliegen durchsetzen wollen, müssen selbst dafür Verantwortung übernehmen und aktiv werden, indem sie sich auch eine Öffentlichkeit verschaffen.

 

 

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