PUK-Antrag zur Sicherung der Nahversorgung in Kritzendorf wurde abgewiesen

Von Ulrike Kobrna, Stefan Hehberger und Wolfgang Haas

Mit der Schließung des ADEG zum Jahresende 2025 verliert Kritzendorf seinen einziges und letztes Geschäft zur Deckung des täglichen Bedarfs im Ortsgebiet. Die zentrale Lage dieses Lebensmittelgeschäfts an der Hauptstraße beim Bahnhof Kritzendorf ist für die lokale Bevölkerung und viele Zweitwohnsitzer:innen in der anliegenden Strombadsiedlung ein schwerer Schlag, da sie ab nächstem Jahr ins Auto, den Bus oder die Bahn steigen müssen, um ihre Einkäufe in Klosterneuburg oder St. Andrä Wördern zu erledigen. Vor allem für ältere und weniger mobile Menschen stellt das eine große und unzumutbare Herausforderung dar.

Weil hier rascher Handlungsbedarf besteht, hat die PUK in der letzten Gemeinderatssitzung am 21.11.2025 einen Dringlichkeitsantrag zur Erhaltung der Nahversorgung in Kritzendorf gestellt. Dieser wurde allerdings – ohne weitere inhaltliche Begründung – von Bürgermeister Christoph Kaufmann abgewiesen, weil er „nicht im Wirkungsbereich der Stadtgemeinde Klosterneuburg liege“.

Das ist für die PUK nicht nur enttäuschend, sondern auch unverständlich, weil der Dringlichkeitsantrag gleich mehrere stichhaltige Argumente anführt, warum die Stadtgemeinde in diesem Fall gegenüber der lokalen Bevölkerung sehr wohl in der Verantwortung steht. Dabei sind für die PUK folgende Punkte zentral:

  • Nahversorgung als Grundpfeiler der Lebensqualität: Das Klosterneuburger Stadtentwicklungskonzept STEK 2030+, dessen vollinhaltliche Umsetzung in der Verantwortung der Stadtregierung liegt, hat ausdrücklich zum Ziel, in Kritzendorf die “lokale Versorgungsfunktion mit Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs zu erhalten“.
  • Nachhaltige und sozial gerechte Mobilität: Das STEK 2030+ zielt darauf ab, die Abhängigkeit vom eigenen Auto zu reduzieren und eine nachhaltige und bequeme „Stadt der kurzen Wege“ zu fördern. Der Wegfall des letzten Nahversorgers in Kritzendorf steht in fundamentalem Widerspruch zu diesen Planungszielen der Stadtgemeinde.
  • Stärkung des sozialen Austauschs: Das STEK 2030+ sieht die Förderung lokaler Infrastruktur auch als Voraussetzung für die soziale Belebung der Ortskerne. Ein Nahversorger ist nicht nur ein Geschäftslokal, sondern auch ein sozialer Treffpunkt, der das Gemeinschaftsleben stärkt.
  • Demografische Aspekte und soziale Gerechtigkeit: Besonders ältere Menschen und Personen ohne eigenen PKW sind auf fußläufige Nahversorgung angewiesen. Das STEK 2030+berücksichtigt die demografische Entwicklung und priorisiert Strukturen, die alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen unterstützen. Der Erhalt des Nahversorgers ist deshalb auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.
  • Wirtschaftliche Resilienz: Das STEK 2030+ betont die Wichtigkeit kleiner Betriebe vor Ort. Nahversorger tragen wesentlich zur wirtschaftlichen Vielfalt bei und sichern lokale Arbeitsplätze. Ihr Fortbestand entspricht den Zielen einer resilienten und zukunftsfähigen Stadt.

Was kann und soll die Stadtgemeinde tun?

Selbst wenn die Stadtgemeinde keine direkte gesetzliche Verpflichtung trifft, die Nahversorgung im Gemeindegebiet zu sichern, sieht die PUK nicht nur das explizite Ziel des STEK 2030+ zur „Erhaltung der lokalen Versorgung“ als klare Richtschnur für proaktives Handeln, sondern auch eine starke soziale und politische Verantwortung seitens der Stadtregierung, um das „Grundrecht“ der Bürger:innen auf lokale Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs zu wahren. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ist dabei entscheidend, um gemeinsam innovative und bedarfsorientierte Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.

Die PUK verweist in ihrem Dringlichkeitsantrag auf bestehende Best Practice Beispiele in anderen Gemeinden, die – gestützt auf wissenschaftliche Studien und Umfragen – zusammen mit der lokalen Bevölkerung neue Wege gehen und damit der österreichweiten Nahversorger-Krise erfolgreich entgegenwirken. Dabei werden digitale Self-Check-out Technologien, Hybridmärkte, und 24h-Digi-Läden ebenso genutzt, wie die Schaffung von multifunktionalen Zentren, die den Lebensmittelhandel mit anderen Dienstleistungen (Gastronomie, Post, Apotheke, Bankomat) kombinieren, was die Kundenfrequenz steigert und die Kosten senkt. Auch die Verbindung von Nah­versorgung mit Kultur- und Gemeinschaftsangeboten kann helfen, funktionierende maßgeschneiderte Lösungen vor Ort zu finden.

Wichtig ist für die PUK jedenfalls, dass unsere Stadtregierung jetzt so schnell wie möglich ihre Rolle und Verantwortung zum Thema „Sicherung der Nahversorgung in allen Ortsteilen von Klosterneuburg“ anerkennt und ins Handeln kommt, um den Fortbestand des Lebensmitteleinzelhandels und anderer essenzieller Nahversorgungs-Einrichtungen in Kritzendorf zu sichern.

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